FAQ MEDIATION

Was ist Mediation?

Mediation ist ein strukturiertes außergerichtliches Vorgehen zur Lösung von Streitigkeiten. Die Betroffenen können kurzfristig einen unabhängigen Vermittlern – den Mediator – einschalten. Der Mediator vereinbart vertrauliche Gespräche mit den Medianden (TeilnehmerInnen). Dabei geht er nach einer bestimmten Vorgehensweise vor. Daher wird das genannte Verfahren „strukturiert“ genannt.

Was heißt „strukturiertes Verfahren“?

Der Ablauf ist in verschiedene Phasen unterteilt, die bis zum Ergebnis durchlaufen werden. Die Phasen sind nicht einheitlich geregelt. Daher erkläre ich hier eines der bekanntesten Vorgehensweisen, wobei die Einteilung auch deutlich verfeinert werden kann.

Phase 1 – Auftragsklärung
Alle Rahmenbedingungen werden geklärt: TeilnehmerInnen (Medianden), Aufgabenstellung, Aufteilung der Kosten, Grundregeln der Zusammenarbeit, Erklärung der Phasen, Abstimmung der Termine, Klärung wichtiger Fragen, vertragliche Regelungen.

Beispiel: Vater und Sohn sind sich bezüglich der Unternehmensübergabe nicht einig und haben unterschiedliche Vorstellungen. Vater und Sohn streiten sich über die Nachfolgeregelung im Betrieb. Die Kosten übernimmt die Firma. Sie entscheiden sich, das Verfahren für ihre Aufgabenstellung zu nutzen.

Phase 2 – Bestandsaufnahme
Jetzt wird geklärt, über was gestritten wird und wer beteiligt ist. Jeder schildert seine Sichtweise. Für das Verfahren notwendige Informationen werden allen bereitgestellt. Hier kristallisiert sich der erste kleine gemeinsame Nenner ab. Die Parteien einigen welche strittigen Punkte durch das Verfahren bearbeitet werden sollen und legen bei mehreren Themen ggf. Prioritäten fest.

Beispiel: Vater und Sohn verständigen sich darüber, dass es nur um die Frage der Nachfolgeregelung geht. Sie formulieren die Frage „Wie wollen wir die Betriebsübergabe gestalten?“

Phase 3 – Bearbeitung der Konfliktfelder
Die Beteiligten haben Zeit und Raum ihre Sichtweisen und Argumente zu der jeweiligen Fragestellung zu äußern.

Beispiel: Vater und Sohn schildern jeweils ihre Standpunkte, Meinungen und Erwartungen zu der Frage. Der Sohn empfindet Misstrauen durch seinen Vater. Der Vater ist deshalb sehr gekränkt.

Phase 4 – Erhellung der Sichtweisen
Die hintergründigen Interessen und Bedürfnisse werden deutlich – ein Erkenntnisgewinn findet statt.

Beispiel: Durch die Vermittlung des Mediators werden alle Bedenken und die dahinter liegenden Befindlichkeiten von Vater und Sohn angesprochen. Es kommt heraus, dass der Sohn vom Vater bevormundet wird, wenn der Vater ohne ihn mit Kunden und externen Dienstleistern spricht. Der Sohn möchte aber den Vater unbedingt weiter als Ratgeber an seiner Seite haben. Er schätzt den Austausch mit dem Vater. Der Vater fühlt sich dagegen durch das vom Sohn entgegengebrachte Misstrauen gekränkt. Immerhin ist er noch der Inhaber und kann entscheiden wie er will. Er wünscht sich, dass der Sohn das Unternehmen übernimmt. Für ihn ist sein Sohn die absolut beste Wahl „den Laden“ zu übernehmen. Er traut ihm viel zu und hält ihn für äußert kompetent.

Phase 5 – Lösungsfindung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die gemeinsame Lösungsfindung gestaltet wird. Beide Medianden äußern ihre Ideen dazu. Jeder bewertet die Vorschläge und kommt zu einem Ergebnis. Es kommt zu gemeinsamen oder unterschiedlich bewerteten Lösungen, die erklärt, diskutiert und verhandelt werden. Oft kommt es zu ganz überraschenden Ergebnissen oder Lösungen, die sich bereits abgezeichnet haben.

Beispiel: Vater und Sohn entwickeln einen gemeinsamen „Marshall“-Plan und verteilen die Aufgaben im Unternehmen neu. Weil Ihr Streit beigelegt ist und sie gemeinsam wissen, was sie wollen, ist eine weitere Begleitung durch den Mediator nicht mehr nötig.

Phase 6 – Abschluss und Ratifizierung
Das Ergebnis des Verfahrens wird schriftlich festgehalten und von den Parteien unterschrieben. Hier kann auch das Einschalten eines Anwalts sinnvoll sein.

Beispiel: Vater und Sohn beauftragen den Steuerberater und Rechtsanwalt ihre Hauses ein schlüssiges Konzept zur Betriebsübergabe vorzubereiten.

Müssen alle Phasen durchlaufen werden?

Ja und Nein. Ist eine Frage frühzeitig geklärt, gibt es keinen Grund das Verfahren unnötig in die Länge zu ziehen. Meiner Erfahrung nach ist es äußert wichtig, dass Ergebnis zu fixieren und nicht ohne Ergebnis aus dem Verfahren zu gehen. Entscheidet sich eine Partei nicht mehr an dem Verfahren teilnehmen zu wollen, ist es beendet. Das ist auch ein Ergebnis. Immerhin sind dann alle Wege einer außergerichtlichen Lösung ausgeschöpft worden.

Wie lange dauert die Mediation?

Das hängt ganz vor Art, Umfang und Anzahl der Teilnehmer ab. Nehmen mehrere Personen teil, bedeutet das häufig mehr Redebedarf für jeden einzelnen. Die Komplexität der Aufgabenstellung und die schwere des Auseinandersetzung haben auch einen großen Einfluss auf die Dauer des Prozesses. Die Kunden bestimmten wie schnell oder langsam sie voranschreiten. Zwischen den einzelnen Termine sacken oft die Informationen bei den TeilnehmerInnen. Sie verarbeiten das Gehörte und denken über das nach, was ihnen selbst wichtig ist.

Muss ich Geheimnisse preisgeben?

Nein. Sagen Sie nur das, was sie sagen wollen. Sie sind in erster Linie für sich selbst verantwortlich. Sie müssen zunächst einmal Vertrauen in das Verfahren und den Vermittler gewinnen. Die Arbeit in der verschiedenen Phasen hilft dabei, aufeinander zu zugehen und langsam Vertrauen zu gewinnen.

Erfährt die Öffentlichkeit davon?

Ein wichtige Grundregeln bei dieser Vorgehensweise ist die Vertraulichkeit. Dies wird zu Beginn schon bei der Auftragsklärung besprochen und festgelegt. Sollte sich zwischenzeitlich eine der Parteien nicht daran halten, wird das beim nächsten Termin angesprochen und geklärt. Sie können gemeinsam darüber abstimmen, wann sie was in die Öffentlichkeit bringen können, wenn sie es denn möchten.

Kann man die Mediation nur bei einem Streit anwenden?

Nein. Die Mediation ist ein sehr wirkungsvolles Mittel der Konfliktprävention. Sie kann angewandt werden, wenn mindestens 2 Menschen unterschiedlicher Meinung sind und sich nicht einigen können. Dabei kann es um unterschiedliche Auffassungen bei der Betriebsübergabe, der gemeinsamen Zusammenarbeit oder einer neuen Strategie gehen. Familiäre Unstimmigkeiten wie sie häufig bei Scheidungen, Erbstreitigkeiten und einer Nachfolgeregelung im Betrieb vorkommen, lassen sich frühzeitig in Angriff nehmen. Der Familienfrieden kann unter Umständen frühzeitig gewahrt werden.

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Katrin Kloos
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